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| eine frage der ehre
jeffrey wigand (russell crowe) ist leitender wissenschaftler in den forschungslabors
von brown&williamson, dem größten tabakhersteller in den
usa. als absoluter insider der branche weiß er über die methoden
der umsatzsteigerung bescheid, speziell über die seines ehemaligen
arbeitgebers. wigand kann belegen, daß der konzern seinen tabakprodukten
gezielt suchtfördernde zusätze beigefügt hat, um die raucher
auch weiterhin erfolgreich bei der glimm-stange zu halten. wigand sieht
darin nicht seine berufung als wissenschaftler und ist nicht länger
gewillt, ein teil dieses geschäfts zu sein. er muckt auf und wird
fristlos entlassen.
für beide seiten hält sich die katastrophe in grenzen
ein mitarbeiter wie jeffrey wigand ist ersetzbar, genauso wie der arbeitgeber
für einen hochqualifizierten wissenschaftler ersetzbar ist. wigand
hat eine verschwiegenheitsklausel unterschrieben, die es ihm untersagt,
über die praktiken von brown&williamson zu sprechen. im gegenzug
wird der konzern auch weiterhin die krankenversicherung für wigands
familie, die kosten für das noch nicht abgezahlte haus und alle anderen
extras bezahlen, die mitarbeiter seines ranges genießen. da wäscht
eine hand die andere, und der konzern läßt sich die seife etwas
kosten. schließlich sind das peanuts im vergleich zu den umsatzzahlen,
die das ziel des konzerns sind. so schön hätte es laufen können.
wigand jedoch ist entschlossen, sein wissen an die öffentlichkeit
zu bringen.

er nimmt kontakt zu dem journalisten lowell bergman (al pacino) auf. bergman
ist produzent von "60 minutes", der bekanntesten nachrichtensendung
von CBS. lowell bergman ist ein vollblut-journalist. ein mann, der strikt
den regeln des investigativen journalismus folgt und dem alles an wahrheitsgemäßer
berichterstattung liegt. das brisante material, das wigand zu bieten hat,
veranlaßt bergman dazu, die geschichte groß aufzuziehen. er
bringt seinen sender dazu, ein interview mit wigand samt hintergrundbericht
zu machen, in dem die ganze wahrheit der öffentlichkeit präsentiert
werden soll.
die reaktion von brown&williamson läßt nicht lange auf
sich warten. es ist ein mega-konzern mit viel einfluss, ein machtapparat,
der seine ohren und hände überall hat. wigand wird unmißverständlich
klar gemacht, was ihn zu erwarten hat, wenn er sein schweigen bricht.
es folgen ein unglaublicher psychoterror, morddrohungen und eine schmutzkampagne,
die seine familie und seine gesamte existenz zerstören. auch auf
den sender wird großer druck ausgeübt. brown&williamson
droht der CBS mit einer vernichtenden milliardenklage, sollte das interview
ausgestrahlt werden.
michael mann ist mit the insider ein weiteres
filmisches meisterwerk geglückt. wie sein vorheriger film heat
ist auch the insider eine detaillierte personenstudie,
deren hauptdarsteller in eine sorgsam und überzeugend konstruierte
umgebung platziert sind. es gelingt ihm hier zwar nicht, das gefühlsinnere
seiner hauptfiguren ihrem äußeren handeln so überzeugend
anzupassen, wie er es in heat vollbrachte
er geht jedoch wesentlich subtiler und eindringlicher mit dem element
spannung um. während in heat direkte und unmittelbare gewalt gezeigt
wird, leuchtet the insider verschiedene gesellschaftliche
instanzen aus, von denen strukturelle gewalt ausgeht. wie brutal und vernichtend
diese gewalt sein kann und wie unterschiedlich sie auf die charaketere
dieses dramas wirkt, zeigt der film eindrucksvoll.
während jeffrey wigand unter dem wachsenden druck zu zerbrechen droht
und der ganzen sache ein ende setzen will, wird bergman zusehends engagierter
und besessener.
in the insider fällt nicht ein einziger
schuß und es gibt keine verfolgunsjagden, die mit explodierenden
autos enden. dennoch herrscht über knapp drei stunden hinweg eine
unterschwellige spannung, die den adrenalinspiegel des aufmerksamen zuschauers
konstant ziemlich hoch hält. dazu trägt auch hier wieder die
virtuose kamerführung dante spinottis bei. schnelle und harte schnitte,
ruckelnde bilder der handkamera im wechsel mit atmosphärischen einstellungen
und sanften slowmotions. optisch ist the insider ein kunststück,
für das dante spinotti eine oscar-nominierung bekam.
das zusammenspiel zwischen pacino und crowe funktioniert, auch wenn pacino
teilweise etwas zu dominant erscheint. es ist einfach fantastisch und
wieder einmal eine augenweide, wie er den erregten "sensations-zampano"
gibt, ohne sich dabei übermäßig selbst zu inszenieren.
russell crowe etabliert sich mit der darstellung wigands zum gestandenen
charakterdarsteller. überzeugend spielt er die paranoide angst wigands,
die nachhaltig wirkt und dem film eine beklemmende und dichte atmosphäre
verleiht.
the insider ist ganz großes kino. anspruchsvoll
und ohne die gängigen klischees auskommend, bietet er hochwertigen
stoff für auge und geist und ist dabei alles andere als "langatmig".

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the insider
usa 1999
160 min
al pacino russell crowe
christopher plummer
diane venora
written by eric roth and
michael mann
director michael mann
camera dante spinotti |
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