| heat

usa 1995
168 min
al pacino . robert de niro

director: michael mann
camera: dante spinotti

val kilmer, diane venora
tom sizemore, wes studi
and john voight

director
michael mann

professionals.

al pacino und robert de niro spielen die hauptrollen in dem knapp dreistündigen epos von michael mann. al pacino ist vincent hanna, leitender ermittler im raub- und morddezernat des los angeles police department. robert de niro spielt neill mccauley, profi-dieb und mastermind einer kleinen, aber hochkonzentrierten gang. diese gang hat sich auf minutiös geplante raubüberfälle spezialisiert, hinter denen logistik und wochenlange vorbereitungszeit stecken. sie arbeiten streng nach stoppuhr, jeder handgriff sitzt und ist teil eines bis ins kleinste detail geplanten ablaufes.

einziger schwachpunkt ist der neuzugang in neills truppe, der ebenso dumpfe wie brutale waingro, denn er ist eher der typ, der mit einer schrotflinte in schnapsläden rennt. welch folgenschwerer fehlgriff dieser mann war, zeigt sich bei einem raubüberfall auf einen geldtransporter, bei dem wegen waingros unbeherrschtheit drei tote wachmänner zurückbleiben.
das blutbad ruft vincent hanna auf den plan, der von seiner profession ebenso besessen ist, wie mccauley. am tatort nimmt hanna die witterung auf und es beginnt eine dramatische jagd, die das innerste der beiden männer tief erschüttern wird.


drama.

michael mann beobachet seine beiden hauptfiguren genau, zeigt ihre ähnlichkeit und synchronisiert ihre äussere und innere bewegung perfekt. von angesicht zu angesicht begegnen sich hanna und mccauley erst in der der mitte des films. die anerkennung und der respekt, den beide füreinander empfinden, wird jedoch schon zu beginn des films sichtbar.
in ihrer lebensphilosophie und lebensweise sind sie dermassen gnadenlos und konsequent, dass ein leben ausserhalb ihres "berufs" kaum noch möglich ist. ausgerechnet neill wird es sein, dem hanna in einer der stärksten szenen des films das resultat seiner besessenheit andeutungsweise offenbart.

"mein leben... nun, mein leben ist ein katastrophengebiet. meine frau und ich, wir begegnen uns gelegentlich auf den trümmern unserer ehe, meiner dritten. ich habe eine stieftochter, die völlig kaputt ist, weil ihr richtiger vater ein absolutes arschloch ist. "

es ist die szene in einem coffeshop, in der sich vincent und neill gegenüber sitzen, sehr zurückhaltend und dennoch mehr von sich preisgebend, als beabsichtigt. sie endet damit, dass sie sich gegenseitig bescheinigen, den anderen nicht zu verschonen, sollte man sich in die quere kommen.

der umstand, dass mann die soziale und soziologische landschaft um hanna und mccauley herum detailliert nachzeichnet, macht heat zu einem film, der weit mehr ist, als nur räuber und gendarm. erwähnenswert ist die personenzeichnung der vielen nebenfiguren, die allesamt erstklassig besetzt sind. die frauen in heat werden ausnahmslos als starke persönlichkeiten gezeigt. sie sind alles andere als nur die anhängsel iherer männer - manchmal scheint es sogar so, als wären sie die beherrschteren in diesem drama. ganz im gegensatz zu den männern, die stellenweise an ihrer eigenen männlichkeit zu zerbrechen drohen.

 
 
bildkunst.

stilistisch ist heat brillant in szene gesetzt. die ästhetische und kunstvolle kameraführung von dante spinotti beruht auf michael manns visueller vorstellungskraft, die schon in filmen wie the last of the mohicans oder später the insider für faszinierende bilderwucht sorgte. die kamera verweilt oft und lange auf den gesichtern der charaktere. messerscharf zeichnen sie sich vom verwischten hintergrund ab und erzeugen tiefe und räumlichkeit. michael manns filme sind kompositionen, die viel mit bildsprache arbeiten. die einstellungen der totalen in heat sind häufig so angelegt, dass sie die weite der szenerie erfassen und die einsamkeit und verlorenheit der figuren in ihr. tatsächlich erinnern einige einstellungen an gemälde von edward hopper.

die gewalt in heat mag auf manchen sehr abschreckend wirken. der film ist sehr dialoglastig und gemessen an der langen spieldauer machen die action-szenen nur einen relativ kleinen teil des films aus. diese jedoch haben es in sich. nach dem spektakulären banküberfall kommt es zu einem aufreibenden shootout in der innenstadt von los angeles, der 12 minuten anhält. hier findet aber keine choreographie des ballerns statt, wie man es von hollywood gewohnt ist. die strassenschlacht ist ohne überflüssige slow-motions und nachträglich eingefügte sound-effects inszeniert. dies verleiht der szene einen annähernd dokumentarischen und schonungslosen realismus, der seinen zweck voll erfüllt. insgesamt ist heat von einer unheimlich archaischen wucht, vor allem durch das spiel von de niro und pacino.

die dichte athmosphäre, die epische erzählweise michael manns und die grandiosen leistungen der schauspieler machen heat zu einem thriller der absoluten spitzenklasse.

 

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